Burgkapelle Arnshaugk
Die Burgkapelle Arnshaugk befindet sich auf einer Anhöhe im Süden der Stadt Neustadt an der Orla im Ortsteil Arnshaugk. Sie ist das einzige noch vollständig erhaltene Bauwerk aus der Ursprungszeit der ehemaligen Burg Arnshaugk. Sowohl die Burg, als auch die dazugehörige Kapelle wurde von dem lokalen Herrschaftsträger der Lobdeburger erbaut, oder auf dem bereits befestigten Bergsporn errichtet.
Geschichte
Um das Jahr 1087 befindet sich die Kapelle im Bau. Das ergibt sich aus der dendrochronologischen und Radiokarbon - Untersuchung eines aus der Westmauer geborgenen Gerüstholzes, wobei diese Jahresangabe von einem weiteren Gerüstholz gestützt wird, dass sich ca. 1,50 m darüber befand, und mittels der C14-Methode um das Jahr 1090 datieren lässt. Die Kapelle war dem 1139 heiliggesprochenen 8. Bischof der Bamberger Bischhofsreihe „St. Otto“ geweiht.
Um 1250 wird die Kapelle baulich nach Osten hin erweitert und erreicht somit wahrscheinlich ihr heutiges Erscheinungsbild. Das ergibt sich aus dem weiteren Befund zweier Hölzer im Sturz des südlichen spätromanischen Rundbogenfensters, die auf die Zeit um 1250 (14 C) datiert werden konnten. Da sowohl Fenstergewände, datierte Sturzhölzer, erste Putzlage und darauf liegende Malerei zeitlich eine Baueinheit darstellen, konnten hiermit die polychromen Malereifragmente auf die erste Hälfte des 13.Jh. datiert werden. Das betrifft sowohl die figuralen Malereifragmente der Südwand, als auch den Westfries mit den Lilienornamenten.
Die urkundliche Ersterwähnung der Burgkapelle befindet sich auf einer Stiftungsurkunde vom 1. Mai 1294. In dieser wird die Kapelle von den bisherigen Besitzer*innen, der Elisabeth von Lobdeburg-Arnshaugk und ihrem Ehemann Landgraf Albrecht dem Entarteten, mit all ihren Rechten an die Augustiner-Eremiten in Neustadt an der Orla übertragen.
Im Dachreiter hängt eine anhand ihrer Erscheinungsform und der auf ihr befindlichen Pilgerzeichen in die Zeit um 1450 datierbare Bronzeglocke. Sie ist 36 cm hoch. Sie trägt in gotischen Majuskeln die deutsche Umschrift: „Ach Gott wie sere git Gut vor Ehre“. Auf ihr befinden sich drei Pilgerzeichen. 1. von der Marienkirche in Ziegenhain, 2. von Michaelsberg, Ovenhausen 3. von St. Nikolai vom Nikolausberg, Die zweite, eiserne Glocke stammt von 1958.
Die spätromanisch/frühgotische Wandfassung wird im Laufe der Zeit vielfach mit Kalkfarben übertüncht und vermutlich nach 1500 mit einer Renaissance-Malerei übermalt. Davon haben sich an zwei Stellen neben den zu dieser Zeit eingebauten Renaissance-Fenstern Reste in deren Laibungen erhalten. Es ist neben Tierdarstellungen, als Ornament sogenanntes Roll- und Beschlagwerk abgebildet.
Das ehemalige Altarbild von Paul Keil stammt aus dem Jahr 1612 und befindet sich heute im Stadtmuseum Neustadt. 1688 wurde der dreiteilige Alabaster-Taufstein angefertigt. Er ist restauriert und befindet sich gegenwärtig ebenfalls Stadtmuseum.
Eine letzte große Umbauphase findet vor 1900, mutmaßlich um 1876, durch die evangelische Kirchgemeinde statt. Dabei wird der Innenraum mit Orgelstuhl, Nordempore und Kanzel im Stil des Historismus umgestaltet. In dieser Zeit entstehen vermutlich auch die vier großen Buntglasfenster der Südseite.
Im Jahr 1979 wird die Kapelle entweiht und von der Evangelischen Gemeinde abgegeben. Seit 1991 betreut der Verein Burgkapelle Arnshaugk e.V. das Gebäude. Seither wird die Burgkapelle unter denkmalpflegerischen Aspekten restauriert, sowohl archäologisch als auch durch Bauforschung begleitend untersucht und gleichzeitig mit kulturellen Veranstaltungen wiederbelebt. Auf Anfrage können Hochzeiten, Taufen und Beerdigungsfeiern stattfinden.